Venedig — zwischen Postkartenidylle und Massentourismus

Natürlich ist Venedig wunderschön. Die Brücken, die Kanäle, wie die Sonne an einem Winternachmittag in die schmalen Gassen fällt und alles in magisches Licht taucht. Der Nebel, der vor allem morgens und abends die Stadt verschluckt und sie im Dunkeln fast gespenstisch wirken lässt.
Venise dans la brume - Pont des Déchaussés

Ponte degli Scalzi

Die Gassen sind zum Teil so schmal, dass zwei Menschen kaum aneinander vorbei gehen können. Und beinahe jede Gasse endet mit einem Blick auf einen großen oder kleinen Kanal — und damit oft in einer Sackgasse. An ein Ziel zu gelangen kann einige Zeit in Anspruch nehmen. Zum Einen, da es unmöglich ist, einen direkten Weg irgendwohin zu gehen, die Gassen sind so verwinkelt, dass man schon einen sehr guten Orientierungssinn braucht (oder eine gute Navigationsapp), um sich nicht zu verlaufen, zum Anderen, da es alle paar Meter etwas zu fotografieren gibt. Und natürlich ist es voller Kunst und Museen. 

Touristen vs. Einwohner

Natürlich muss auf meinen ersten Satz ein “aber” folgen. Die Menschen, denen wir in Venedig begegnen, sind Touristen. Oder ältere, wohlhabende Menschen, die hierher gezogen sind, weil sie die Stadt toll finden und es sich leisten können. Wo sind die Menschen, die hierher kommen, die hier zuhause sind ? Zum Teil sicherlich im Weihnachtsurlaub, um Silvester herum befindet sich wohl kaum ein Student in der Stadt.

Ein kurzer Blick ins Internet ergibt, dass auf der Hauptinsel aktuell ca. 55000 Menschen wohnen. Dazu kommen in Spitzenzeiten 130000 Touristen. Das merken wir auch an den Restaurants und Geschäften, die genau dafür gemacht scheinen : Touristen füttern und ihnen Andenken verkaufen, auf denen entweder “Venedig” steht oder die aus Glas und Leder aus der Region hergestellt sind.

Touristes à Venise

Touristen

Venedig braucht Zeit

Dreimal so viele Touristen wie Einwohner — auf den ersten Blick kann ich die Stadt nicht fassen, ihre Seele nicht finden. Wo sind die Orte, an denen Einheimische essen, Kaffee oder ein Glas Wein trinken, ihre Freizeit verbringen ? Erst im Laufe der Tage und mit viel Zeit, um die Gassen zu erkunden, finden wir die versteckten Schätze.

Essen, trinken und shoppen in Venedig

Burano de nuit et le Restaurant Riva Rosa

Burano

Eine Espressobar, in der laut Queen läuft zum Beispiel. Aber auch die Bar Estro — Vino e Cucina, in der der Barkeeper einen nach seinen Weinvorlieben fragt und man erst probieren kann, bevor man sich für einen entscheidet. Es gibt auch Sandwiches und Abendessen, für letzteres sollte man besser reservieren, was wir beim nächsten Besuch sicherlich tun werden.

Bei unserem Besuch in Burano (LINK) entdecken wir das Restaurant Riva Rosa, in dem wir die besten frittierten Calamari seit langem essen, begleitet von einem ebenfalls vorzüglichen Wein.

Aber auch nette kleine Läden gibt es, zum Beispiel die Libreria Marco Polo, ein Buchladen mit einem liebevoll ausgewählten Sortiment, sowohl Italienisch als auch Englisch.

Im kleinen Laden Il Graffio verkauft der freundliche Besitzer hübsche Ledertaschen und zeigt auch gerne die verwendeten Materialien.

Ja, die Stadt ist einige Blicke Wert und man findet genug zu tun für eine Woche. Und doch fühlt es sich ein bisschen an, als besichtige man eine Kulisse, die nur Eingeweihte wirklich hinter die Fassade blicken lässt.

Schreibe einen Kommentar